Am 16.10.25 legten die Ortsvorsteher des Gemeindebeziks Niederkirchen und der Orte Hoof und Osterbrücken sowie Vertreter vom Stadtrat St. Wendel und vom Ortsrat Hoof nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Prot. Kirche Hoof am Ehrenmal auf dem Friedhof in Hoof einen Kranz nieder.
Zuvor hatte Ortsvorsteher Gernot Müller traditionell eine Ansprache zum Volkstrauertag während des Gottesdienstes von Pfarrer Werner an die Teilnehmer aus dem mittleren Ostertal gerichtet:
Rede zum Volkstrauertag 2025
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir versammeln uns heute am Volkstrauertag, um der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror zu gedenken. Wir erinnern uns an all jene, die ihr Leben verloren haben, an die, die gelitten haben, und an die, die für ihre Überzeugungen verfolgt wurden. Dieser Tag mahnt uns, innezuhalten, uns zu besinnen – und Lehren aus der Geschichte zu ziehen.
Ich persönlich gedenke heute meinem Opa Paul Stuber, der am 8. August.1942 vor Stalingrad gefallen ist!
Dies ist mein 21. VT an dem ich als Ortsvorsteher teilnehme und erneut feststellen muss, dass dieser Tag aktueller ist denn je!
Die Welt, in der wir leben, ist in großer Unruhe. Kriege und Krisen sind nicht fern, sondern direkt spürbar – auch hier in Europa. Der Krieg in der Ukraine dauert an, und neue Konflikte drohen an vielen Orten der Welt. Millionen Menschen sind auf der Flucht, die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden ist größer denn je. Und doch erleben wir, dass Hass, Misstrauen und Ausgrenzung wieder zunehmen – auch in unseren Gesellschaften, auch in unserem Land.
In den letzten Jahren hat sich vieles verändert. Der Ton ist rauer geworden, die Spaltung tiefer.
Worte, die man früher nie in der Öffentlichkeit gesagt hätte, werden heute laut ausgesprochen – und oft unkritisch weitergetragen.
In sozialen Medien verbreiten sich Gerüchte und Vorurteile schneller als Fakten und Menschlichkeit. Der gesellschaftliche Zusammenhalt, den wir so dringend brauchen, steht auf dem Prüfstand.
Gerade deswegen ist der Volkstrauertag heute so aktuell wie selten zuvor. Denn er erinnert uns daran, wohin es führen kann, wenn Hass und Hetze das Mitgefühl verdrängen, wenn Menschen beginnen, sich über andere zu erheben, und wenn Gleichgültigkeit die Oberhand gewinnt.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wir müssen uns auch hier in Hoof und im Ostertal ehrlich fragen: Was bedeutet das für uns?
Bei der letzten Wahl haben rund 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler in unserem Ort sowie im Mittleren Ostertal ihre Stimme einer Partei gegeben, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Das ist ein deutliches Zeichen – und eines, das uns nachdenklich stimmen sollte.
Ich sage das nicht, um zu verurteilen oder den moralischen Zeigefinger zu heben. Aber ich sage es, weil es uns alle betrifft. Eine solche Entwicklung zeigt, dass sich viele Menschen unverstanden, übersehen oder verunsichert fühlen.
Diese Sorgen dürfen wir nicht ignorieren – wir müssen darüber sprechen. Gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht vergessen, wohin es führen kann, wenn nationalistische und ausgrenzende Ideologien erst einmal an Einfluss gewinnen.
Vor rund 100 Jahren, in den 1920er und 1930er Jahren, standen Menschen in Deutschland ebenfalls an einem Punkt, an dem Unsicherheit, wirtschaftliche Sorgen und politische Unzufriedenheit groß waren. Viele glaubten damals, einfache Antworten könnten komplexe Probleme lösen. Die Geschichte hat uns gezeigt, wohin das geführt hat: in die dunkelste Zeit unseres Landes, in Krieg, Zerstörung und unfassbares Leid.
Heute stehen wir erneut an einem Scheideweg – nicht in derselben Situation, aber mit ähnlichen Gefahren: Wenn wir anfangen, uns in „wir“ und „die anderen“ zu unterteilen, wenn Misstrauen und Vorurteile den Dialog ersetzen, wenn Demokratie und Vielfalt in Frage gestellt werden, dann verlieren wir das, was unser Land stark gemacht hat – Menschlichkeit, Freiheit und gegenseitigen Respekt.
Was können wir also in Hoof, in unserer Region tun?
Wir können – und wir müssen – einander zuhören. Wir können den Dialog suchen, statt Mauern zu bauen. Wir können uns gegenseitig helfen, statt gegeneinander zu arbeiten. In unseren Vereinen, auf unseren Straßen, in unseren Gesprächen dürfen wir nicht zulassen, dass Feindbilder unser Denken bestimmen. Jeder kann dazu beitragen, dass unsere Dörfer Orte bleiben, an denen Respekt, Mitgefühl und Verantwortung zählen.
Wenn wir Hass und Hetze begegnen, wenn wir Falschinformationen widersprechen, wenn wir für Schwächere eintreten und offen bleiben für andere Meinungen, dann tragen wir ganz konkret dazu bei, Frieden zu bewahren – hier bei uns, im Kleinen, wo alles beginnt.
Die Botschaft des Volkstrauertages lautet deshalb nicht nur: Nie wieder Krieg.
Sie lautet auch: Nie wieder Gleichgültigkeit. Nie wieder Wegschauen, wenn Menschen abgewertet oder ausgeschlossen werden.
Lassen wir uns leiten von den Werten, die uns verbinden – nicht von den Ängsten, die uns trennen. Frieden beginnt in unseren Herzen, in unseren Familien, in unseren Gemeinden. Wenn wir das verinnerlichen, dann kann dieser Tag mehr sein als ein Gedenktag. Dann wird er zu einem Auftrag – für uns alle, heute und morgen.
Ich danke Euch für Euer Kommen, für Euer Zuhören und für Euer Mitwirken an einer friedlichen Zukunft – hier in Hoof, im Ostertal und überall auf der Welt.
Danke.

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